Skip to content
Geschichte · Klasse 8

Ideen für aktives Lernen

Deutsche Kolonialpolitik in Afrika

Geschichte wird lebendig, wenn Schüler:innen nicht nur lesen, sondern mit Quellen arbeiten, Orte erkunden und Positionen diskutieren. Gerade bei einem so komplexen und emotional belasteten Thema wie der deutschen Kolonialpolitik in Afrika hilft aktives Handeln, die Distanz zu verringern und ein tieferes Verständnis zu entwickeln. Die Fallstudie Deutsch-Südwestafrika zeigt dabei besonders deutlich, wie schnell Handelsbeziehungen in Gewalt umschlugen und welche langfristigen Folgen das bis heute hat.

KMK BildungsstandardsOrientierungskompetenzMethodenkompetenz
35–50 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Fallstudienanalyse45 Min. · Kleingruppen

Quellenstationen: Übergang zur Kolonialherrschaft

Richten Sie vier Stationen ein: Handelspakte (Lesen von Verträgen), Landkonflikte (Karten vergleichen), Aufstand 1904 (Zeitzeugenberichte) und Folgen (Bilder von Lagern). Gruppen rotieren alle 10 Minuten, notieren Beobachtungen und diskutieren Übergänge. Abschließende Plenumpräsentation.

Erklären Sie, wie der Übergang von Handelsbeziehungen zur gewaltsamen Kolonialherrschaft verlief.

ModerationstippBei den Quellenstationen sollten Sie bewusst Kontrastmaterialien auswählen (z.B. Handelsverträge neben Gewaltberichten), um den Übergang zur Kolonialherrschaft sichtbar zu machen.

Worauf zu achten istDie Schüler:innen erhalten eine Karte mit einem der drei Leitfragen. Sie schreiben eine kurze Antwort (2-3 Sätze), die eine konkrete historische Begebenheit oder einen Ort nennt, der die Antwort stützt. Beispiel: Nennen Sie eine Maßnahme, die den Übergang von Handel zu Herrschaft verdeutlicht.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 02

Fallstudienanalyse50 Min. · Kleingruppen

Mungericht: Völkermord-Klassifizierung

Teilen Sie Rollen zu: Ankläger, Verteidiger, Zeugen, Richter. Gruppen bereiten Argumente vor, basierend auf Quellen zum Vernichtungsbefehl und Lagerbedingungen. Führen Sie ein 20-minütiges Verfahren durch, gefolgt von Abstimmung und Reflexion.

Analysieren Sie, warum der Krieg gegen die Herero und Nama heute als Völkermord eingestuft wird.

ModerationstippBeim Mungericht achten Sie darauf, dass die Schüler:innen nicht nur Argumente sammeln, sondern auch die Definitionskriterien des Völkermords aktiv anwenden und diskutieren.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Welche Verantwortung trägt Deutschland heute für die Verbrechen des Kolonialismus?' Die Schüler:innen diskutieren in Kleingruppen und notieren zwei Argumente für ihre Position, die sie anschließend im Plenum vorstellen.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 03

Fallstudienanalyse35 Min. · Partnerarbeit

Stadtjagd: Spuren der Kolonialzeit

Erstellen Sie eine Liste aktueller Spuren wie Namensschilder oder Museen in der Stadt. Paare recherchieren online oder vor Ort, fotografieren und erstellen einen Führer. Präsentieren Sie in der Klasse mit Diskussion zu Bedeutung heute.

Beurteilen Sie, welche Spuren der Kolonialzeit sich noch heute in deutschen Städten finden lassen.

ModerationstippBei der Stadtjagd bereiten Sie eine klare Karte mit Suchaufträgen vor, damit die Spurensuche fokussiert bleibt und nicht in Oberflächlichkeiten endet.

Worauf zu achten istLassen Sie die Schüler:innen eine Zeitleiste mit den wichtigsten Ereignissen in Deutsch-Südwestafrika (z.B. Landnahme, Aufstand, Vernichtungsbefehl, Ende der Kolonie) erstellen. Überprüfen Sie die Korrektheit der Reihenfolge und der Jahreszahlen.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 04

Fallstudienanalyse40 Min. · Kleingruppen

Zeitstrahl-Bau: Kolonialgeschichte

Jede Gruppe baut einen interaktiven Zeitstrahl mit Karten, Fotos und Zitaten von 1884 bis heute. Fügen Sie Pfeile für Ursachen-Wirkungen hinzu. Gemeinsame Präsentation und Ergänzung durch die Klasse.

Erklären Sie, wie der Übergang von Handelsbeziehungen zur gewaltsamen Kolonialherrschaft verlief.

ModerationstippBeim Zeitstrahl-Bau nutzen Sie farbige Markierungen für verschiedene Akteure (Herero, Deutsche, Nama), um die Komplexität der Ereignisse zu verdeutlichen.

Worauf zu achten istDie Schüler:innen erhalten eine Karte mit einem der drei Leitfragen. Sie schreiben eine kurze Antwort (2-3 Sätze), die eine konkrete historische Begebenheit oder einen Ort nennt, der die Antwort stützt. Beispiel: Nennen Sie eine Maßnahme, die den Übergang von Handel zu Herrschaft verdeutlicht.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Vorlagen

Vorlagen, die zu diesen Geschichte-Aktivitäten passen

Nutzen, bearbeiten, drucken oder teilen.

Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Dieses Thema erfordert eine sensible Balance zwischen historischer Aufarbeitung und emotionaler Belastung. Vermeiden Sie es, die Gewalt zu verharmlosen oder zu dramatisieren, sondern arbeiten Sie mit klaren Fragestellungen und strukturierten Materialien. Nutzen Sie die Perspektivvielfalt, um eurozentrische Narrative zu durchbrechen. Aktuelle Bezüge (z.B. Debatten um Restitution) können helfen, die Relevanz für heute zu zeigen, sollten aber nicht im Vordergrund stehen. Recherchearbeit vor Ort oder mit digitalen Tools stärkt die Orientierungskompetenz der Schüler:innen.

Am Ende der Einheit sollten Schüler:innen nicht nur die historischen Fakten kennen, sondern auch deren Bedeutung für heutige Debatten verstehen. Sie erkennen die Mechanismen kolonialer Gewalt und können historische Narrative kritisch hinterfragen. Erfolgreich ist die Arbeit, wenn die Lernenden Quellen selbstständig einordnen, lokale Spuren identifizieren und die Verantwortungsfrage differenziert diskutieren können.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Quellenstationen wird oft angenommen, der Kolonialismus habe ausschließlich Fortschritt gebracht.

    Fordern Sie die Schüler:innen auf, Handelsverträge mit Gewaltberichten zu vergleichen und in einer Tabelle die positiven und negativen Auswirkungen gegenüberzustellen. Die Gegenüberstellung macht den Übergang zur Gewalt direkt sichtbar.

  • Beim Mungericht wird der Krieg gegen Herero und Nama als normaler Kolonialkrieg ohne besondere Brutalität wahrgenommen.

    Lassen Sie die Schüler:innen im Rollenspiel die Lagerbedingungen aus verschiedenen Perspektiven beschreiben und dabei gezielt die Definitionskriterien des Völkermords anwenden. Peer-Feedback hilft, die Intentionalität der Gewalt zu erkennen.

  • Während der Stadtjagd wird unterstellt, die Kolonialzeit habe keine Spuren in Deutschland hinterlassen.

    Zeigen Sie Beispiele für Denkmäler, Straßennamen oder Sammlungsbestände in Museen und lassen Sie die Schüler:innen gezielt nach lokalen Bezügen suchen. Die konkreten Funde widerlegen die Annahme direkt.


In dieser Übersicht verwendete Methoden