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Geographie · Klasse 12 · Zukunftsfähige Gestaltung: Wege zur Nachhaltigkeit · 2. Halbjahr

Post-Wachstumsökonomie und Degrowth

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich kritisch mit dem BIP-Wachstum auseinander und entwerfen alternative Wirtschaftsmodelle.

KMK BildungsstandardsSTD.BEWERTUNGSTD.HANDLUNG

Über dieses Thema

Die Post-Wachstumsökonomie und Degrowth laden Schüler der Klasse 12 ein, das Paradigma des ständigen BIP-Wachstums kritisch zu hinterfragen. Sie untersuchen, ob Wohlstand ohne Wachstum möglich ist, und entwickeln alternative Indikatoren wie das Bruttonationale Glücksprodukt oder den Happy Planet Index. Basierend auf den KMK-Standards STD.BEWERTUNG und STD.HANDLUNG entwerfen sie Alltagszenarien in einer post-wachstumsorientierten Gesellschaft und analysieren Vor- und Nachteile. Zudem bewerten sie, welche Branchen wie fossile Energien oder Fast Fashion schrumpfen müssten, um Nachhaltigkeit zu erreichen, und beleuchten politische Hürden wie Lobbyeinfluss.

Dieses Thema verknüpft globale Herausforderungen mit wirtschaftlicher Gestaltung und fördert systemisches Denken. Schüler lernen, dass endloses Wachstum Ressourcen überfordert und soziale Ungleichheit verstärkt. Durch Auseinandersetzung mit Konzepten wie Suffizienz und Gemeinwohlökonomie entsteht Kompetenz für zukunftsweisende Entscheidungen.

Aktives Lernen ist hier besonders wirksam, weil abstrakte Modelle durch Rollenspiele, Debatten und Prototypen lebendig werden. Schüler eignen sich Inhalte an, indem sie sie selbst konstruieren, diskutieren und verteidigen, was tiefe Verinnerlichung und Transferfähigkeit sichert.

Leitfragen

  1. Ist Wohlstand ohne Wachstum möglich und welche Indikatoren könnten ihn stattdessen messen?
  2. Entwerfen Sie einen Alltag in einer Post-Wachstumsgesellschaft und analysieren Sie dessen Vor- und Nachteile.
  3. Bewerten Sie, welche Branchen für eine echte Nachhaltigkeit schrumpfen müssten und welche politischen Hürden dabei bestehen.

Lernziele

  • Analysieren Sie die Annahmen und Grenzen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Wohlstandsindikator.
  • Bewerten Sie alternative Wohlstandsindikatoren wie den Happy Planet Index oder die Gemeinwohlökonomie hinsichtlich ihrer Eignung für eine Post-Wachstumsgesellschaft.
  • Entwerfen Sie einen exemplarischen Tagesablauf in einer Gesellschaft, die auf Suffizienz und nicht auf Wachstum basiert, und begründen Sie die Wahl der Aktivitäten.
  • Kritisieren Sie die politischen und wirtschaftlichen Hürden, die einer Implementierung von Degrowth-Strategien entgegenstehen.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Volkswirtschaftslehre: BIP und Wirtschaftskreislauf

Warum: Ein Verständnis des Bruttoinlandsprodukts als zentralem Maßstab für wirtschaftliche Leistung ist notwendig, um dessen Grenzen kritisch hinterfragen zu können.

Nachhaltigkeit und Globale Herausforderungen

Warum: Die Schülerinnen und Schüler müssen die ökologischen und sozialen Probleme, die durch unbegrenztes Wachstum entstehen, bereits kennen, um die Notwendigkeit alternativer Wirtschaftsmodelle zu verstehen.

Schlüsselvokabular

DegrowthEin Konzept, das eine geplante, demokratische und gerechte Verringerung der materiellen und energetischen Produktion und des Konsums in wohlhabenden Ländern anstrebt, um ökologische und soziale Krisen zu bewältigen.
Post-WachstumsökonomieEin Wirtschaftssystem, das nicht mehr auf kontinuierliches BIP-Wachstum als primäres Ziel setzt, sondern Wohlstand und Lebensqualität anders definiert und misst.
SuffizienzDas Prinzip, das ausreicht zu leben und zu konsumieren, anstatt immer mehr anzustreben. Es betont die Reduktion von Konsum und Produktion auf ein ökologisch und sozial verträgliches Maß.
GemeinwohlökonomieEin Wirtschaftsmodell, das das Gemeinwohl über den Profit stellt und Unternehmen anhand ihres Beitrags zum Gemeinwohl bewertet, anstatt nur anhand ihres finanziellen Erfolgs.
Ökologischer FußabdruckEin Maß für den Verbrauch von natürlichen Ressourcen durch eine Bevölkerung, eine Region oder eine Aktivität, ausgedrückt in der Fläche biologisch produktiven Landes, die zur Deckung des Verbrauchs und zur Assimilation der Abfälle benötigt wird.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDegrowth führt zwangsläufig zu Armut und Arbeitslosigkeit.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Degrowth zielt auf gerechten Ressourcenverbrauch und neue Jobs in nachhaltigen Bereichen ab. Aktive Debatten helfen Schülern, Vorurteile durch Gegenbeispiele wie Bhutans Glücksmodell zu entkräften und nuancierte Modelle zu entwickeln.

Häufige FehlvorstellungBIP ist der einzig objektive Wohlstandsmaßstab.

Was Sie stattdessen lehren sollten

BIP ignoriert Umweltschäden und Ungleichheit. Durch Workshop-Design alternativer Indikatoren erkennen Schüler Grenzen und üben Bewertungskompetenz in Gruppenvergleichen.

Häufige FehlvorstellungPost-Wachstum ist utopisch und politisch unrealisierbar.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Politische Hürden existieren, doch Beispiele wie die Gemeinwohl-Ökonomie zeigen Machbarkeit. Rollenspiele machen Hürden greifbar und fördern Handlungsideen durch kollaborative Analyse.

Ideen für aktives Lernen

Alle Aktivitäten ansehen

Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Stadt Freiburg im Breisgau hat durch ihre Stadtplanung und Förderung erneuerbarer Energien sowie nachhaltiger Mobilität gezeigt, wie lokale Politik auf eine Reduzierung des Ressourcenverbrauchs abzielen kann, auch wenn das übergeordnete Wirtschaftssystem noch auf Wachstum ausgerichtet ist.
  • Die Diskussion um die Einführung einer 4-Tage-Woche in verschiedenen europäischen Ländern, wie aktuell in Großbritannien und Island, greift Ideen der Suffizienz auf, indem sie Arbeitszeit reduziert, um Lebensqualität zu steigern und potenziell den Ressourcenverbrauch zu senken.
  • Organisationen wie 'Rethink Plastic' oder Initiativen zur Förderung von Reparaturcafés und Second-Hand-Läden in Städten wie Berlin demonstrieren praktische Ansätze zur Reduzierung von Konsum und Abfall, die Kernideen der Post-Wachstumsökonomie widerspiegeln.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf und geben Sie jeder Gruppe eine der folgenden Fragen: 'Welche drei Branchen müssten in einer Post-Wachstumsgesellschaft signifikant schrumpfen und warum?' oder 'Welche politischen Maßnahmen wären am wirksamsten, um den Übergang zu einer Post-Wachstumsökonomie zu unterstützen?'. Lassen Sie die Gruppen ihre Antworten diskutieren und präsentieren Sie die Kernergebnisse im Plenum.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einem Zettel zwei Punkte zu notieren: 1. Ein konkretes Beispiel für einen persönlichen Konsumverzicht, der zu einer nachhaltigeren Lebensweise beiträgt. 2. Eine Frage, die sie nach der heutigen Stunde zum Thema Post-Wachstum noch beschäftigt.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie eine Reihe von Aussagen zum Thema Post-Wachstum und Degrowth auf (z.B. 'BIP-Wachstum ist immer positiv für die Gesellschaft.' oder 'Eine Post-Wachstumsökonomie bedeutet Verzicht auf alle technischen Fortschritte.'). Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler mit Daumen hoch/runter oder mit Kärtchen (stimme zu/stimme nicht zu) ihre Zustimmung oder Ablehnung signalisieren und bitten Sie anschließend einige Schüler, ihre Begründung zu erläutern.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Post-Wachstumsökonomie?
Post-Wachstumsökonomie stellt das Dogma des endlosen BIP-Wachstums infrage und plädiert für stabile oder schrumpfende Ökonomien, die Wohlstand durch Suffizienz, Gemeingüter und soziale Gerechtigkeit definieren. Schüler lernen, dass sie Ressourcen schont und Lebensqualität steigert, ohne ständigen Konsum. Dies passt zu KMK-Standards für Bewertung nachhaltiger Modelle. (62 Wörter)
Wie misst man Wohlstand ohne BIP?
Alternative Indikatoren umfassen das Bruttonationale Glück, den Gini-Koeffizienten für Gleichheit oder den Ecological Footprint. Schüler entwerfen eigene Messungen, die Umwelt, Gesundheit und soziale Bindungen einbeziehen. Solche Ansätze machen Wohlstand ganzheitlich und fördern kritische Auseinandersetzung mit Wachstumsmythen. (58 Wörter)
Welche Branchen müssen in Degrowth schrumpfen?
Branchen wie Flugverkehr, Fleischindustrie und Einwegplastikproduktion müssen schrumpfen, um Ressourcen zu schonen. Neue Wachstumsfelder entstehen in Kreislaufwirtschaft und lokaler Versorgung. Politische Hürden wie Subventionen erfordern gesellschaftliche Debatten, die Schüler in Aktivitäten simulieren. (56 Wörter)
Wie hilft aktives Lernen beim Thema Degrowth?
Aktives Lernen macht abstrakte Konzepte durch Rollenspiele und Debatten erfahrbar: Schüler entwerfen post-wachstumsgestaltete Alltagsmodelle, verteidigen sie und analysieren Hürden. Dies stärkt Bewertungs- und Handlungskompetenz, da sie Inhalte selbst generieren und kollaborativ verfeinern. Solche Methoden sorgen für bleibendes Verständnis und Motivation. (68 Wörter)