Post-Wachstumsökonomie und Degrowth
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich kritisch mit dem BIP-Wachstum auseinander und entwerfen alternative Wirtschaftsmodelle.
Über dieses Thema
Die Post-Wachstumsökonomie und Degrowth laden Schüler der Klasse 12 ein, das Paradigma des ständigen BIP-Wachstums kritisch zu hinterfragen. Sie untersuchen, ob Wohlstand ohne Wachstum möglich ist, und entwickeln alternative Indikatoren wie das Bruttonationale Glücksprodukt oder den Happy Planet Index. Basierend auf den KMK-Standards STD.BEWERTUNG und STD.HANDLUNG entwerfen sie Alltagszenarien in einer post-wachstumsorientierten Gesellschaft und analysieren Vor- und Nachteile. Zudem bewerten sie, welche Branchen wie fossile Energien oder Fast Fashion schrumpfen müssten, um Nachhaltigkeit zu erreichen, und beleuchten politische Hürden wie Lobbyeinfluss.
Dieses Thema verknüpft globale Herausforderungen mit wirtschaftlicher Gestaltung und fördert systemisches Denken. Schüler lernen, dass endloses Wachstum Ressourcen überfordert und soziale Ungleichheit verstärkt. Durch Auseinandersetzung mit Konzepten wie Suffizienz und Gemeinwohlökonomie entsteht Kompetenz für zukunftsweisende Entscheidungen.
Aktives Lernen ist hier besonders wirksam, weil abstrakte Modelle durch Rollenspiele, Debatten und Prototypen lebendig werden. Schüler eignen sich Inhalte an, indem sie sie selbst konstruieren, diskutieren und verteidigen, was tiefe Verinnerlichung und Transferfähigkeit sichert.
Leitfragen
- Ist Wohlstand ohne Wachstum möglich und welche Indikatoren könnten ihn stattdessen messen?
- Entwerfen Sie einen Alltag in einer Post-Wachstumsgesellschaft und analysieren Sie dessen Vor- und Nachteile.
- Bewerten Sie, welche Branchen für eine echte Nachhaltigkeit schrumpfen müssten und welche politischen Hürden dabei bestehen.
Lernziele
- Analysieren Sie die Annahmen und Grenzen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Wohlstandsindikator.
- Bewerten Sie alternative Wohlstandsindikatoren wie den Happy Planet Index oder die Gemeinwohlökonomie hinsichtlich ihrer Eignung für eine Post-Wachstumsgesellschaft.
- Entwerfen Sie einen exemplarischen Tagesablauf in einer Gesellschaft, die auf Suffizienz und nicht auf Wachstum basiert, und begründen Sie die Wahl der Aktivitäten.
- Kritisieren Sie die politischen und wirtschaftlichen Hürden, die einer Implementierung von Degrowth-Strategien entgegenstehen.
Bevor es losgeht
Warum: Ein Verständnis des Bruttoinlandsprodukts als zentralem Maßstab für wirtschaftliche Leistung ist notwendig, um dessen Grenzen kritisch hinterfragen zu können.
Warum: Die Schülerinnen und Schüler müssen die ökologischen und sozialen Probleme, die durch unbegrenztes Wachstum entstehen, bereits kennen, um die Notwendigkeit alternativer Wirtschaftsmodelle zu verstehen.
Schlüsselvokabular
| Degrowth | Ein Konzept, das eine geplante, demokratische und gerechte Verringerung der materiellen und energetischen Produktion und des Konsums in wohlhabenden Ländern anstrebt, um ökologische und soziale Krisen zu bewältigen. |
| Post-Wachstumsökonomie | Ein Wirtschaftssystem, das nicht mehr auf kontinuierliches BIP-Wachstum als primäres Ziel setzt, sondern Wohlstand und Lebensqualität anders definiert und misst. |
| Suffizienz | Das Prinzip, das ausreicht zu leben und zu konsumieren, anstatt immer mehr anzustreben. Es betont die Reduktion von Konsum und Produktion auf ein ökologisch und sozial verträgliches Maß. |
| Gemeinwohlökonomie | Ein Wirtschaftsmodell, das das Gemeinwohl über den Profit stellt und Unternehmen anhand ihres Beitrags zum Gemeinwohl bewertet, anstatt nur anhand ihres finanziellen Erfolgs. |
| Ökologischer Fußabdruck | Ein Maß für den Verbrauch von natürlichen Ressourcen durch eine Bevölkerung, eine Region oder eine Aktivität, ausgedrückt in der Fläche biologisch produktiven Landes, die zur Deckung des Verbrauchs und zur Assimilation der Abfälle benötigt wird. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungDegrowth führt zwangsläufig zu Armut und Arbeitslosigkeit.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Degrowth zielt auf gerechten Ressourcenverbrauch und neue Jobs in nachhaltigen Bereichen ab. Aktive Debatten helfen Schülern, Vorurteile durch Gegenbeispiele wie Bhutans Glücksmodell zu entkräften und nuancierte Modelle zu entwickeln.
Häufige FehlvorstellungBIP ist der einzig objektive Wohlstandsmaßstab.
Was Sie stattdessen lehren sollten
BIP ignoriert Umweltschäden und Ungleichheit. Durch Workshop-Design alternativer Indikatoren erkennen Schüler Grenzen und üben Bewertungskompetenz in Gruppenvergleichen.
Häufige FehlvorstellungPost-Wachstum ist utopisch und politisch unrealisierbar.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Politische Hürden existieren, doch Beispiele wie die Gemeinwohl-Ökonomie zeigen Machbarkeit. Rollenspiele machen Hürden greifbar und fördern Handlungsideen durch kollaborative Analyse.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenRollenspiel: Alltag in der Post-Wachstumsgesellschaft
Gruppen entwerfen einen typischen Tag mit reduziertem Konsum, lokaler Produktion und Freizeitfokus. Sie präsentieren Szenarien und lassen sich von anderen Gruppen befragen. Abschließend bewerten alle Vor- und Nachteile gemeinsam.
Debatte: Wachstum vs. Degrowth
Teilen Sie die Klasse in Pro- und Contra-Teams. Jede Seite bereitet Argumente vor, inklusive alternativer Indikatoren. Nach 20 Minuten Debatte stimmt die Klasse ab und reflektiert.
Workshop: Alternative Wohlstandsindikatoren
In Paaren listen Schüler Indikatoren wie Zeitwohlstand oder Biodiversität auf und erstellen ein Messinstrument. Gruppen präsentieren und vergleichen Modelle.
Branchen-Analyse: Schrumpfpotenziale
Individuell recherchieren Schüler eine Branche, notieren Schrumpfnotwendigkeiten und Hürden. In Kleingruppen diskutieren und visualisieren sie Ergebnisse auf Plakaten.
Bezüge zur Lebenswelt
- Die Stadt Freiburg im Breisgau hat durch ihre Stadtplanung und Förderung erneuerbarer Energien sowie nachhaltiger Mobilität gezeigt, wie lokale Politik auf eine Reduzierung des Ressourcenverbrauchs abzielen kann, auch wenn das übergeordnete Wirtschaftssystem noch auf Wachstum ausgerichtet ist.
- Die Diskussion um die Einführung einer 4-Tage-Woche in verschiedenen europäischen Ländern, wie aktuell in Großbritannien und Island, greift Ideen der Suffizienz auf, indem sie Arbeitszeit reduziert, um Lebensqualität zu steigern und potenziell den Ressourcenverbrauch zu senken.
- Organisationen wie 'Rethink Plastic' oder Initiativen zur Förderung von Reparaturcafés und Second-Hand-Läden in Städten wie Berlin demonstrieren praktische Ansätze zur Reduzierung von Konsum und Abfall, die Kernideen der Post-Wachstumsökonomie widerspiegeln.
Ideen zur Lernstandserhebung
Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf und geben Sie jeder Gruppe eine der folgenden Fragen: 'Welche drei Branchen müssten in einer Post-Wachstumsgesellschaft signifikant schrumpfen und warum?' oder 'Welche politischen Maßnahmen wären am wirksamsten, um den Übergang zu einer Post-Wachstumsökonomie zu unterstützen?'. Lassen Sie die Gruppen ihre Antworten diskutieren und präsentieren Sie die Kernergebnisse im Plenum.
Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einem Zettel zwei Punkte zu notieren: 1. Ein konkretes Beispiel für einen persönlichen Konsumverzicht, der zu einer nachhaltigeren Lebensweise beiträgt. 2. Eine Frage, die sie nach der heutigen Stunde zum Thema Post-Wachstum noch beschäftigt.
Stellen Sie eine Reihe von Aussagen zum Thema Post-Wachstum und Degrowth auf (z.B. 'BIP-Wachstum ist immer positiv für die Gesellschaft.' oder 'Eine Post-Wachstumsökonomie bedeutet Verzicht auf alle technischen Fortschritte.'). Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler mit Daumen hoch/runter oder mit Kärtchen (stimme zu/stimme nicht zu) ihre Zustimmung oder Ablehnung signalisieren und bitten Sie anschließend einige Schüler, ihre Begründung zu erläutern.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Post-Wachstumsökonomie?
Wie misst man Wohlstand ohne BIP?
Welche Branchen müssen in Degrowth schrumpfen?
Wie hilft aktives Lernen beim Thema Degrowth?
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