
Handlungsorientiertes Lernen durch Erfahrung und Reflexion
Erfahrungsorientiertes Lernen
Lernen erfolgt hier durch unmittelbare Erfahrung, gefolgt von einer strukturierten Reflexion. Basierend auf dem Lernzirkel nach Kolb: Konkrete Erfahrung → Reflektiertes Beobachten → Abstrakte Begriffsbildung → Aktives Experimentieren. Dies kann Exkursionen, praktische Tätigkeiten, Simulationen oder soziales Engagement umfassen. Entscheidend ist die gezielte Reflexion, die das Erlebte in Lernerkenntnisse transformiert.
Was ist Erfahrungsorientiertes Lernen?
Erfahrungsbasiertes Lernen hat tiefe philosophische Wurzeln. Aristoteles behauptete, dass wir lernen, was wir tun. John Dewey theoretisierte Anfang des 20. Jahrhunderts die Rolle der Erfahrung beim Lernen und kritisierte eine Schule, die 'über' das Leben lehrte statt 'durch' das Leben. David Kolb formalisierte in den 1980er Jahren den Erfahrungslernzyklus (konkrete Erfahrung, reflektierendes Beobachten, abstrakte Konzeptualisierung, aktives Experimentieren) der das einflussreichste theoretische Modell der Methode bleibt.
Kolbs Zyklus ist eine Beschreibung davon, wie Lernen sich durch Erfahrung festigt: nicht die Erfahrung allein, sondern die Erfahrung gefolgt von einer Reflexion, die Konzepte produziert, die dann in neuen Erfahrungen getestet werden. Ohne Reflexion bleibt die Erfahrung ein Abenteuer ohne Lehre. Ohne Konzeptualisierung bleibt die Reflexion persönlich und nicht übertragbar. Ohne Experimentieren bleiben Konzepte abstrakt und ungeprüft.
Dieser Zyklus (Erfahrung, Reflexion, Konzeptualisierung, Experimentieren) ist auch eine Beschreibung einer rigorosen disziplinären Praxis. Der Wissenschaftler, der ein Experiment durchführt, es beobachtet, eine Theorie daraus ableitet und sie in einem neuen Experiment testet, folgt genau diesem Zyklus. Der Historiker, der Quellen analysiert, Interpretationen daraus ableitet, sie mit anderen Quellen konfrontiert und seine Schlussfolgerungen revidiert, auch. Erfahrungsbasiertes Lernen ist in diesem Sinne eine Einführung in die echte Praxis der Disziplinen.
In Deutschland wird erfahrungsbasiertes Lernen in Kindergarten und Grundschule wertgeschätzt (Lernen durch die Sinne, durch Manipulation) und gewinnt im Sekundarschulwesen mit dem Aufstieg der Projektpädagogik und des situativen Lernens wieder an Interesse.
Durchführung von Erfahrungsorientiertes Lernen
Eine konkrete Erfahrung gestalten
7 min
Entwerfen Sie eine praxisorientierte Aktivität, eine Simulation oder eine Aufgabe im Feld, die auf Ihre Lernziele abgestimmt ist und die Schüler zwingt, direkt mit dem Kernkonzept zu interagieren.
Die Aktivität moderieren
7 min
Starten Sie die Erfahrung und agieren Sie dabei als Coach oder Beobachter. Widerstehen Sie dem Drang, Lösungen vorzugeben oder einzugreifen, sofern nicht die Sicherheit gefährdet ist oder die Gruppe völlig den Faden verliert.
Reflektierende Beobachtung anleiten
7 min
Führen Sie eine Nachbesprechung durch, in der Sie offene Fragen stellen. Die Schüler sollen beschreiben, was sie während der Erfahrung gesehen, gefühlt und getan haben.
Abstrakte Begriffsbildung begleiten
8 min
Helfen Sie den Schülern, ihre Beobachtungen mit formalen Theorien oder akademischen Konzepten zu verknüpfen, um das „Warum“ hinter den bemerkten Mustern zu identifizieren.
Aktives Experimentieren planen
8 min
Geben Sie eine neue, leicht abgewandelte Aufgabe vor, bei der die Schüler die soeben entwickelten Theorien anwenden müssen, um ein neues Problem zu lösen.
Bewertung durch Leistungserbringung
8 min
Beurteilen Sie den Lernfortschritt basierend auf der Fähigkeit, Konzepte auf die neue Situation zu übertragen, sowie auf der Tiefe der reflexiven Erkenntnisse, anstatt einen Multiple-Choice-Test einzusetzen.
Wann Erfahrungsorientiertes Lernen im Unterricht einsetzen
- Abstrakte Konzepte greifbar machen
- Herstellung von Bezügen zur Lebenswelt
- Einbindung kinästhetischer Lerntypen
- Entwicklung reflexiver Praktiken
Forschungsergebnisse zu Erfahrungsorientiertes Lernen
Kolb, A. Y., Kolb, D. A. (2005, Academy of Management Learning & Education, 4(2), 193-212)
Die Studie validiert den vierstufigen Zyklus des erfahrungsorientierten Lernens und betont, dass die Schaffung von „Lernräumen“ für Reflexion entscheidend ist, um Erfahrungen in Wissen höherer Ordnung zu transformieren.
Burch, G. F., Giambatista, R. C., Batchelor, J. H., Hoover, J. G., & Heller, N. A. (2019, Decision Sciences Journal of Innovative Education, 17(3), 239-273)
Erfahrungsorientierte Lernpädagogiken haben einen signifikant positiven Effekt sowohl auf den Wissenserwerb als auch auf die Entwicklung praktischer Kompetenzen des 21. Jahrhunderts in verschiedenen Disziplinen.
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