Lawrence Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung untersucht, wie sich das moralische Urteilsvermögen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter wandelt. In der 12. Klasse lernen die Schüler die drei Ebenen (präkonventionell, konventionell, postkonventionell) und deren sechs Stufen kennen. Dabei geht es nicht darum, *was* jemand entscheidet, sondern *wie* er seine Entscheidung begründet. Dies ist ein zentrales Thema für das Verständnis von Recht, Ethik und gesellschaftlichen Werten.
KMK BildungsstandardsEPA Psychologie 3.3: MoralentwicklungKLP NRW Psychologie: Werte und Moral
Die Klasse diskutiert das klassische Dilemma (Medikamentenklau zur Rettung der Ehefrau). Die Schüler werden in Gruppen eingeteilt, die Argumente auf verschiedenen Stufen der Moralentwicklung formulieren müssen, unabhängig von ihrer eigenen Meinung.
An Stationen hängen aktuelle Zeitungsartikel zu ethischen Streitfragen (z.B. Klimaproteste, Sterbehilfe). Die Schüler ordnen die dort geäußerten Argumente den Stufen Kohlbergs zu und begründen ihre Einschätzung.
Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Just Community
Schüler überlegen, wie eine Schule nach Kohlbergs Konzept der 'Just Community' (gerechte Gemeinschaft) organisiert sein müsste. Sie vergleichen ihre Ideen mit der aktuellen Schulstruktur und diskutieren die Umsetzbarkeit.
Handeln Menschen immer gemäß ihrem moralischen Urteil?
Eine höhere Stufe bedeutet, dass man ein 'besserer' Mensch ist.
Kohlberg misst die kognitive Komplexität der Begründung, nicht die moralische Güte einer Person. Ein Mensch auf Stufe 5 kann die gleiche Entscheidung treffen wie einer auf Stufe 2, nur die Gründe unterscheiden sich. Diskussionen über Handlungsabsichten klären diesen Punkt.
Moralisches Urteilen führt automatisch zu moralischem Handeln.
Es gibt eine Lücke zwischen Urteil und Handeln (Urteils-Handlungs-Diskrepanz). Faktoren wie Mut, Situation und Emotionen spielen eine große Rolle. Fallstudien zu Zivilcourage helfen, diesen Unterschied zu verstehen.