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Geographie · Klasse 9 · Ressourcen: Reichtum und Konfliktpotential · 1. Halbjahr

Landgrabbing und Ernährungssicherheit

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die globalen Auswirkungen von Landgrabbing auf lokale Gemeinschaften und die Ernährungssicherheit.

KMK BildungsstandardsKMK: Sekundarstufe I - SystemcheckKMK: Sekundarstufe I - Beurteilung

Über dieses Thema

Landgrabbing bezeichnet die Aneignung großer Landflächen in Entwicklungsländern durch internationale Investoren und Konzerne, oft für den Anbau von Exportpflanzen oder Biokraftstoffen. Schülerinnen und Schüler in Klasse 9 analysieren die Ursachen wie die globale Nahrungsmittelkrise ab 2007 und steigende Rohstoffpreise. Sie untersuchen Folgen für lokale Gemeinschaften: Vertreibung kleiner Bauern, Verlust fruchtbaren Bodens und Bedrohung der Ernährungssicherheit, da Land für Eigenbedarf nicht mehr verfügbar ist. Dies passt zu den KMK-Standards für Systemcheck und Beurteilung in der Sekundarstufe I.

Im Kontext des Fachs 'Globaler Wandel und Vernetzung' fördert das Thema systemisches Denken. Schüler beurteilen die Rolle multinationaler Firmen und Staaten, die Landrechte schwächen, und entwickeln Lösungsansätze wie stärkere Landrechtsreformen oder faire Verträge. Aktuelle Beispiele aus Äthiopien oder Madagaskar machen den globalen Ressourcenkonflikt greifbar und verbinden Geografie mit Ethik und Wirtschaft.

Aktives Lernen eignet sich hervorragend, da abstrakte globale Prozesse durch Rollenspiele, Fallstudien und Debatten konkret werden. Schüler übernehmen Perspektiven von Betroffenen und Investoren, sammeln Daten zu realen Fällen und erarbeiten Lösungen in Gruppen. So entsteht Verständnis für Komplexität und Motivation für nachhaltige Positionen.

Leitfragen

  1. Erklären Sie die Ursachen und Folgen von Landgrabbing in Entwicklungsländern.
  2. Beurteilen Sie die Rolle internationaler Investoren und Konzerne bei der Landaneignung.
  3. Entwickeln Sie Lösungsansätze, um die Rechte lokaler Bauern zu stärken und Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

Lernziele

  • Analysieren Sie die wirtschaftlichen und sozialen Ursachen von Landgrabbing in spezifischen Regionen Afrikas oder Asiens.
  • Bewerten Sie die Auswirkungen von Landgrabbing auf die Ernährungssicherheit lokaler Gemeinschaften unter Berücksichtigung von Landnutzung und Produktionsmustern.
  • Entwickeln Sie konkrete Handlungsempfehlungen für internationale Organisationen zur Stärkung der Landrechte von Kleinbauern.
  • Vergleichen Sie die rechtlichen Rahmenbedingungen für Landbesitz in Deutschland mit denen in einem Land, das von Landgrabbing betroffen ist.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Globalisierung und Weltwirtschaft

Warum: Ein grundlegendes Verständnis globaler Wirtschaftsbeziehungen ist notwendig, um die internationalen Dimensionen von Landgrabbing zu erfassen.

Ressourcenverteilung und -nutzung auf der Erde

Warum: Die Schüler müssen die unterschiedliche Verfügbarkeit und Nutzung von Ressourcen wie Land und Wasser verstehen, um die Anreize für Landgrabbing nachvollziehen zu können.

Schlüsselvokabular

LandgrabbingDie großflächige Aneignung von Land in Entwicklungsländern durch ausländische Investoren oder Unternehmen, oft für agrarische Exportgüter oder Rohstoffe.
ErnährungssicherheitDie Situation, in der alle Menschen jederzeit Zugang zu ausreichender, sicherheitstechnisch einwandfreier und bezahlbarer Nahrung haben, um ein gesundes und aktives Leben zu führen.
KleinbauernLandwirte, die kleine Flächen bewirtschaften und oft die Hauptnahrungsmittelproduktion für lokale Märkte sicherstellen.
SpekulationsobjektEin Gut, das primär mit der Erwartung gekauft wird, dass sein Wert steigt, um es später mit Gewinn weiterzuverkaufen, anstatt es zu nutzen.
LandrechteDie rechtlich anerkannten Ansprüche von Personen oder Gemeinschaften auf Nutzung, Besitz und Kontrolle von Landflächen.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungLandgrabbing schafft immer neue Jobs und Entwicklung.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Viele Projekte führen zu prekären Arbeitsbedingungen und Monokulturen, die Böden auslaugen. Aktive Rollenspiele helfen, da Schüler die Perspektiven von Arbeitern und Bauern einnehmen und reale Daten zu Lohnniveaus und Umweltauswirkungen diskutieren.

Häufige FehlvorstellungNur westliche Länder sind für Landgrabbing verantwortlich.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Investoren kommen auch aus China, Indien oder dem Golfraum. Fallstudien in Gruppenarbeit klären dies, indem Schüler Karten und Statistiken analysieren und globale Vernetzung erkennen.

Häufige FehlvorstellungLokale Bauern profitieren direkt von Investitionen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Oft verlieren sie Landrechte ohne Ausgleich. Debatten fördern Korrektur, da Schüler Quellen prüfen und langfristige Folgen für Ernährungssicherheit bewerten.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Große Agrarkonzerne wie Cargill oder Olam International investieren weltweit in landwirtschaftliche Flächen, um beispielsweise Palmöl für Lebensmittel und Kosmetika oder Soja für Tierfutter zu produzieren. Diese Investitionen können lokale Gemeinschaften in Ländern wie Indonesien oder Brasilien von ihrem Land verdrängen.
  • Die Vereinten Nationen (UN) und die Welternährungsorganisation (FAO) veröffentlichen regelmäßig Berichte über die globale Landnutzung und die Auswirkungen von Investitionen auf die Ernährungssicherheit, was die Grundlage für politische Entscheidungen und Hilfsprogramme bildet.
  • Die Produktion von Biokraftstoffen, wie Biodiesel aus Raps oder Ethanol aus Zuckerrohr, ist ein wichtiger Treiber für Landgrabbing. Große Mengen an Ackerland werden dafür umgewidmet, was die Verfügbarkeit von Flächen für den Nahrungsmittelanbau reduziert.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in zwei Gruppen: Investoren und lokale Bauern. Lassen Sie jede Gruppe Argumente für ihre Position bezüglich einer fiktiven Landinvestition sammeln. Leiten Sie eine Debatte, in der die Schüler ihre erarbeiteten Argumente austauschen und nach Kompromissen suchen.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schüler, auf einer Karteikarte die drei wichtigsten Folgen von Landgrabbing für die Ernährungssicherheit aufzulisten und einen konkreten Vorschlag zu machen, wie die Rechte von Kleinbauern gestärkt werden könnten.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie den Schülern eine kurze Fallstudie über ein reales Landgrabbing-Projekt vor. Lassen Sie sie anschließend in Partnerarbeit die Hauptakteure identifizieren und die primären Konfliktpunkte benennen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Landgrabbing genau?
Landgrabbing ist der großflächige Kauf oder Pacht von Ackerland in Entwicklungsländern durch ausländische Investoren für kommerzielle Landwirtschaft. Ursachen sind Nahrungsknappheit in reichen Ländern und Spekulation. Folgen umfassen Vertreibungen und sinkende Nahrungssicherheit vor Ort. Schüler lernen dies durch Analyse von UN-Berichten und Fallstudien wie in Afrika.
Wie wirkt sich Landgrabbing auf die Ernährungssicherheit aus?
Lokale Gemeinschaften verlieren Zugang zu Land für Subsistenzlandwirtschaft, was Hunger verstärkt. Exportpflanzen priorisieren Märkte statt Bedarf. Schüler bewerten dies anhand von Statistiken zur Unterernährung und entwickeln Ansätze wie Gemeindelandrechte. Praktische Übungen mit Datenvisualisierungen machen Zusammenhänge klar.
Wie kann aktives Lernen beim Thema Landgrabbing helfen?
Aktives Lernen wie Rollenspiele und Stationenrotation lässt Schüler Perspektiven von Bauern und Investoren einnehmen, reale Fälle recherchieren und Lösungen erarbeiten. Das schafft Empathie, fördert Quellenkritik und systemisches Denken. Gruppenarbeiten mit Debatten verbessern Beurteilungskompetenzen nach KMK-Standards, da abstrakte Konflikte greifbar werden.
Welche Lösungsansätze gibt es gegen Landgrabbing?
Stärkung lokaler Landrechte durch transparente Verträge, Beteiligung von NGOs und internationale Richtlinien wie der FAO-Voluntary Guidelines. Schüler entwickeln eigene Vorschläge in Projekten, bewerten Machbarkeit und präsentieren. Das trainiert Beurteilungsfähigkeiten und motiviert zu globalem Engagement.