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Philosophie · Klasse 9

Ideen für aktives Lernen

Gerechtigkeit als Fairness: Kritik an Rawls

Aktive Methoden wie Rollenspiele oder Debatten helfen den Schülerinnen und Schülern, Rawls' abstrakte Theorie durch eigene Erfahrungen zu begreifen. Durch Handeln verstehen sie, wie der Schleier des Nichtwissens funktioniert und warum das Differenzprinzip nicht nur theoretisch, sondern praktisch relevant ist.

KMK BildungsstandardsRecht und GerechtigkeitWerte und Normen
35–50 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Rollenspiel45 Min. · Kleingruppen

Rollenspiel: Schleier des Nichtwissens

Schülerinnen und Schüler ziehen anonyme Karten mit gesellschaftlichen Rollen (z. B. Reiche, Arme, Kranke) und verhandeln unter dem Schleier Prinzipien. Sie notieren Entscheidungen, enthüllen Rollen und reflektieren Abweichungen. Abschließende Plenumdiskussion vergleicht Gruppenergebnisse mit Rawls.

Analysiere die Kritik an Rawls' Annahmen über rationale Akteure unter dem Schleier des Nichtwissens.

ModerationstippBeim Rollenspiel unter dem Schleier des Nichtwissens achten Sie darauf, dass die Schülerinnen und Schüler ihre fiktiven Positionen tatsächlich aus einer neutralen Perspektive bewerten und nicht ihre realen Präferenzen einfließen lassen.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Stellen Sie sich vor, Sie müssten die Regeln für ein neues soziales Netzwerk festlegen, ohne zu wissen, ob Sie später ein beliebter Influencer oder ein stiller Mitleser sein werden. Welche drei Grundregeln würden Sie auf jeden Fall durchsetzen und warum?' Sammeln Sie die Antworten und diskutieren Sie sie im Hinblick auf Rawls' Prinzipien.

AnwendenAnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
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Aktivität 02

Debatte50 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Rawls vs. Leistungsprinzip

Teilen Sie die Klasse in zwei Teams: Pro-Rawls und Pro-Leistung. Jede Seite bereitet 3 Argumente vor, präsentiert und reagiert auf Gegenargumente. Ein neutraler Stuhlrichter bewertet Fairness der Begründungen.

Vergleiche Rawls' Konzept der Verteilungsgerechtigkeit mit dem Leistungsprinzip.

ModerationstippIn der Debatte zwischen Rawls und dem Leistungsprinzip fordern Sie die Gruppen auf, ihre Argumente mit konkreten Beispielen aus dem Alltag zu untermauern.

Worauf zu achten istGeben Sie den Lernenden eine Karte mit der Aussage: 'Rawls' Theorie ist zu abstrakt und ignoriert die menschliche Natur.' Bitten Sie sie, eine kurze Begründung (2-3 Sätze) zu schreiben, warum sie dieser Aussage zustimmen oder sie ablehnen, und nennen Sie ein konkretes Beispiel, das ihre Position stützt.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 03

Debatte35 Min. · Partnerarbeit

Konzeptkarten-Vergleich

In Paaren erstellen Schüler Karten zu Rawls' Kernannahmen und Kritikpunkten. Sie verknüpfen mit Alternativen wie Utilitarismus. Gruppen präsentieren und diskutieren Verbindungen in einem Galerie-Spaziergang.

Beurteile, ob Rawls' Theorie die Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe ausreichend berücksichtigt.

ModerationstippBei der Fishbowl-Diskussion zur Vielfalt der Lebensentwürfe geben Sie den stilleren Teilnehmerinnen und Teilnehmern gezielt das Wort, indem Sie sie direkt ansprechen.

Worauf zu achten istTeilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf. Geben Sie jeder Gruppe ein kurzes Fallbeispiel (z.B. eine Debatte über Studiengebühren, die Verteilung von knappen Ressourcen in einem Krankenhaus). Die Gruppen sollen innerhalb von 5 Minuten die Hauptargumente für und gegen eine bestimmte Verteilungslogik formulieren und kurz erläutern, welche Gerechtigkeitsprinzipien (Rawls, Leistung) dabei eine Rolle spielen.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 04

Fishbowl-Diskussion40 Min. · Ganze Klasse

Fishbowl-Diskussion: Vielfalt der Lebensentwürfe

Eine Innere Gruppe (6 Schüler) diskutiert, ob Rawls Vielfalt ignoriert; die Äußere beobachtet und notiert. Rollen tauschen nach 15 Minuten, abschließende Reflexion der Beobachter.

Analysiere die Kritik an Rawls' Annahmen über rationale Akteure unter dem Schleier des Nichtwissens.

ModerationstippBeim Konzeptkarten-Vergleich achten Sie darauf, dass die Gruppen die Unterschiede zwischen Rawls' Prinzipien und anderen Gerechtigkeitsmodellen klar strukturieren, bevor sie vergleichen.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Stellen Sie sich vor, Sie müssten die Regeln für ein neues soziales Netzwerk festlegen, ohne zu wissen, ob Sie später ein beliebter Influencer oder ein stiller Mitleser sein werden. Welche drei Grundregeln würden Sie auf jeden Fall durchsetzen und warum?' Sammeln Sie die Antworten und diskutieren Sie sie im Hinblick auf Rawls' Prinzipien.

AnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte beginnen mit einer kurzen Einführung in Rawls' Grundgedanken, um eine gemeinsame Wissensbasis zu schaffen. Dann setzen sie auf handlungsorientierte Methoden, weil die Schülerinnen und Schüler durch Simulationen und Debatten die Theorie besser verinnerlichen als durch reine Textarbeit. Achten Sie darauf, dass die Lernenden nicht nur die Prinzipien kennen, sondern sie auch kritisch hinterfragen, um ein tiefes Verständnis zu entwickeln.

Am Ende der Einheit erkennen die Lernenden, dass Rawls' Gerechtigkeitskonzept nicht absolute Gleichheit, sondern faire Chancen und Schutz der Schwächsten meint. Sie können die Prinzipien mit eigenen Argumenten verteidigen oder kritisch hinterfragen und an realen Beispielen anwenden.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während des Rollenspiels unter dem Schleier des Nichtwissens wird oft geäußert, Rawls fordere absolute Gleichheit aller Güter.

    Nutzen Sie die Reflexionsphase nach dem Rollenspiel, um gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern das Differenzprinzip zu wiederholen: Betonen Sie, dass Ungleichheiten erlaubt sind, wenn sie den Schlechtestgestellten nutzen. Vergleichen Sie die Ergebnisse der Rollenspiele mit realen Verteilungen, um diesen Punkt zu verdeutlichen.

  • Während der Debatte Rawls vs. Leistungsprinzip wird behauptet, rationale Akteure handelten immer egoistisch.

    Lenken Sie die Debatte gezielt auf die Frage, wie Fairness und Kooperation in der Gruppe entstehen können. Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, Beispiele zu nennen, in denen sie selbst fair gehandelt haben, um die Annahme der egoistischen Rationalität zu widerlegen.

  • Während des Konzeptkarten-Vergleichs wird angenommen, Rawls ignoriere individuelle Leistung vollständig.

    Nutzen Sie die Konzeptkarten, um die Rolle der Leistung im Rahmen des Differenzprinzips zu verdeutlichen: Zeigen Sie an Beispielen, dass Leistung nur dann belohnt wird, wenn sie allen nützt. Fragen Sie die Schülerinnen und Schüler, warum sie bestimmte Unterschiede für gerecht oder ungerecht halten.


In dieser Übersicht verwendete Methoden