Skip to content
Philosophie · Klasse 11

Ideen für aktives Lernen

John Rawls: Gerechtigkeit als Fairness

Aktive Methoden machen Rawls' Gerechtigkeitstheorie greifbar, weil Schülerinnen und Schüler selbst erleben, wie Vorurteile und Eigeninteressen fairen Regeln im Weg stehen. Das Gedankenexperiment des Schleiers des Nichtwissens wird erst durch Rollenspiele und Debatten wirklich verständlich, da die abstrakten Prinzipien so konkret angewandt werden können.

KMK BildungsstandardsPolitische PhilosophieEthisch-praktische Urteilsbildung
15–45 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Rollenspiel45 Min. · Kleingruppen

Rollenspiel: Schleier des Nichtwissens

Teilen Sie die Klasse in Gruppen auf. Jede Gruppe erhält Karten mit anonymen Merkmalen (z. B. arm/reich, talentiert/nicht). Hinter dem 'Schleier' wählen sie Prinzipien für Ressourcenverteilung. Danach enthüllen sie Merkmale und reflektieren Entscheidungen.

Erklären Sie das Gedankenexperiment des 'Schleiers des Nichtwissens' und seine Funktion bei Rawls.

ModerationstippStellen Sie beim Rollenspiel sicher, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre anonymen Rollen auch tatsächlich behalten, indem Sie Notizen oder Rollenkarten nutzen.

Worauf zu achten istStellen Sie den Schülerinnen und Schülern folgende Frage: 'Stellen Sie sich vor, Sie müssten hinter dem Schleier des Nichtwissens entscheiden, wie die Gesellschaft mit denjenigen umgeht, die bei der Geburt keine besonderen Talente oder Ressourcen mitbekommen. Welche Regel würden Sie für die Verteilung von Bildungschancen festlegen und warum?' Lassen Sie die Schüler ihre Antworten begründen.

AnwendenAnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 02

Debatte30 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Anwendung der Prinzipien

Formulieren Sie aktuelle Szenarien (z. B. Steuern, Bildungschancen). Gruppen argumentieren für/gegen Rawls' Prinzipien. Die Klasse votet und diskutiert.

Analysieren Sie die beiden Gerechtigkeitsprinzipien (Freiheit und Differenzprinzip) bei Rawls.

ModerationstippBevor die Debatte beginnt, fordern Sie die Klasse auf, Kriterien für faire Argumente zu sammeln, die sie dann während der Diskussion anwenden.

Worauf zu achten istBitten Sie die Schüler, auf einem Zettel zwei Sätze zu notieren: 1. Erklären Sie in einem Satz, was das 'Differenzprinzip' bedeutet. 2. Nennen Sie ein konkretes Beispiel aus der heutigen Gesellschaft, bei dem dieses Prinzip angewendet oder missachtet werden könnte.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 03

Planspiel20 Min. · Partnerarbeit

Paararbeit: Differenzprinzip prüfen

Paare analysieren reale Ungleichheiten (z. B. Lohnungleichheit). Sie bewerten, ob das Differenzprinzip hilft, und skizzieren Alternativen.

Beurteilen Sie, inwiefern Rawls' Theorie eine gerechte Verteilung von Gütern und Chancen gewährleisten kann.

ModerationstippIn der Paararbeit zu Rawls' Differenzprinzip geben Sie den Gruppen konkrete Beispiele aus der Bildungspolitik vor, um die Diskussion zu fokussieren.

Worauf zu achten istTeilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf und geben Sie jeder Gruppe eine kurze Fallstudie (z.B. eine Diskussion über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens). Die Gruppen sollen kurz diskutieren, ob die vorgeschlagene Maßnahme mit Rawls' Gerechtigkeitsprinzipien vereinbar ist und dies kurz vorstellen.

AnwendenAnalysierenBewertenErschaffenSozialbewusstseinEntscheidungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 04

Planspiel15 Min. · Einzelarbeit

Individuelle Reflexion: Rawls bewerten

Schüler notieren Stärken und Schwächen der Theorie anhand eines Beispiels. Teilen Sie in Plenum.

Erklären Sie das Gedankenexperiment des 'Schleiers des Nichtwissens' und seine Funktion bei Rawls.

ModerationstippBei der individuellen Reflexion lenken Sie die Aufmerksamkeit auf die Frage, ob Rawls' Theorie heute noch Lösungen bietet oder wo ihre Grenzen liegen.

Worauf zu achten istStellen Sie den Schülerinnen und Schülern folgende Frage: 'Stellen Sie sich vor, Sie müssten hinter dem Schleier des Nichtwissens entscheiden, wie die Gesellschaft mit denjenigen umgeht, die bei der Geburt keine besonderen Talente oder Ressourcen mitbekommen. Welche Regel würden Sie für die Verteilung von Bildungschancen festlegen und warum?' Lassen Sie die Schüler ihre Antworten begründen.

AnwendenAnalysierenBewertenErschaffenSozialbewusstseinEntscheidungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Rawls' Theorie lebt von der Auseinandersetzung mit konkreten Beispielen, daher vermeiden Sie lange theoretische Erklärungen zu Beginn. Beginnen Sie stattdessen mit dem Rollenspiel, um das Gedankenexperiment erlebbar zu machen. Forschung zeigt, dass Schülerinnen und Schüler komplexe ethische Theorien besser verstehen, wenn sie diese zunächst in geschützten Räumen ausprobieren dürfen. Vermeiden Sie es, die Prinzipien direkt vorzugeben – lassen Sie die Klasse stattdessen selbst nach fairen Lösungen suchen und diese dann mit Rawls' Konzepten abgleichen.

Am Ende sollen die Lernenden Rawls' Prinzipien nicht nur wiedergeben, sondern in eigenen Worten erklären und auf reale gesellschaftliche Konflikte anwenden können. Erfolg zeigt sich darin, dass sie Nuancen wie das Differenzprinzip erkennen und in Diskussionen begründet vertreten.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Debatte 'Anwendung der Prinzipien' hören einige Schülerinnen und Schüler den Satz: 'Fairness bedeutet immer absolute Gleichheit'.

    Lenken Sie in dieser Phase die Aufmerksamkeit auf Rawls' Unterscheidung zwischen gleichen Grundfreiheiten und dem Differenzprinzip, indem Sie die Klasse fragen, ob eine Gesellschaft mit gleichen Bildungschancen für alle auch gleiche Gehälter bedeuten muss.

  • Während des Rollenspiels 'Schleier des Nichtwissens' glauben einige, der Schleier sei unrealistisch und unpraktisch.

    Nutzen Sie die Reflexionsphase nach dem Rollenspiel, um gemeinsam zu besprechen, wie der Schleier als Entscheidungshilfe dient, indem Sie konkrete Beispiele aus der Gesundheits- oder Sozialpolitik aufgreifen.

  • Während der Paararbeit 'Differenzprinzip prüfen' äußern einige, Rawls ignoriere individuelle Verdienste völlig.

    Fordern Sie die Gruppen auf, ein Beispiel zu finden, in dem Verdienste anerkannt werden, aber dennoch Chancengleichheit besteht, z.B. durch staatliche Förderung von benachteiligten Talenten.


In dieser Übersicht verwendete Methoden